hilfreiche therapeutische Beziehung

Wolfgang Wöller beschreibt Sicherheit in der therapeutischen Beziehung sowie eine haltende Bindungsbeziehung als zentrale Elemente der Therapie von bindungs- und beziehungstraumatisierten Patienten (vgl. Wöller 2006, S. 197 ff.). Dies möchte ich aus der Klientenperspektive ganz dick unterstreichen. Ich finde, dass Herr Wöller sehr hohe Ansprüche formuliert. Aber für uns Klienten und Patienten sind die von ihm beschriebenen Aspekte tatsächlich von ganz entscheidender Bedeutung.
Nachdem ich meine bisherigen Therapien diesbezüglich als eher kontraproduktiv erlebt habe, bin ich sehr froh, nun ganz andere Erfahrungen sammeln zu dürfen.

Hinweis an Herrn A. (Pseudonym für „mein Therapeut“): Das Folgende sollten Sie vielleicht besser nicht lesen … ;)

Meine jetzige Therapie ist für mich deshalb so erfolgreich, weil ich mich in der Beziehung zu meinem Therapeuten, Herrn A.,  absolut sicher und angenommen fühle. Dies beginnt beim äußeren Rahmen: Ich kann mich darauf verlassen, dass wir nicht gestört werden, die Sitzungen beginnen immer pünktlich, Termine werden grundsätzlich eingehalten, Urlaube frühzeitig angekündigt und es ist immer ausreichend Zeit vorhanden.
Außerdem fühle ich mich ernst genommen. Mein Therapeut vermittelt mir das Gefühl, dass er nachvollziehen kann, warum es mir schlecht geht. Er hilft mir meine Erlebnisse zu bewerten, was leider immer wieder und wieder notwendig ist. Wenn ich ihn um eine Einschätzung bitte – und das tue ich oft –, erhalte ich sie. Und dabei kann er durchaus parteiisch sein.
Insgesamt nehme ich mich eher als „Partner“ in diesem Prozess wahr. Herr A. arbeitet mit mir nicht an mir oder an mir vorbei. Dadurch kann ich mich als einen erwachsenen und in vielen Bereichen kompetenten Mensch annehmen, ohne mich jedoch überfordert zu fühlen.

Er ist immer „voll da“, was besonders für meine kleinen Anteile sehr wichtig ist, da sie sich sofort zurückziehen, wenn sie Desinteresse oder Unaufmerksamkeit wittern. Durch seine Empathie hat er es geschafft, dass sie ihm wirklich vertrauen und sich nach und nach öffnen können.
Ich darf Mails schreiben, wenn es mir schlecht geht, und wir haben vereinbart, wann er wie darauf reagieren kann und möchte. Mir war es wichtig, dass ich ihm nicht auf die Nerven gehe, zumal so etwas ja oft schleichend beginnt. Mittlerweile erinnert er mich immer mal wieder daran, dass die Möglichkeit des Schreibens besteht. Auch das gibt mir Sicherheit und schafft Vertrauen.
Herr A. setzt mich nicht unter Druck, sondern wartet, bis ich soweit bin. Zu manchen Zeiten war ich mir nicht sicher, ob ein etwas stärkeres Insistieren den Prozess nicht beschleunigt hätte. Inzwischen denke ich, dass das keine so gute Idee gewesen wäre, weil es sehr viel Widerstand und Abwehr hervorgerufen hätte.
Einer meiner Anteile kann durchaus ziemlich zickig werden. Mein Therapeut geht dann häufig von sich aus auf mich zu und bietet mir einen Rückweg an, wenn ich mal wieder davonlaufen und alles hinschmeißen möchte.

Sein Vorgehen ist für mich absolut transparent und nachvollziehbar. Ich weiß immer – das glaube ich zumindest – was er tut und warum. Zweifel bzw. Kritik werden nicht nur „geduldet“, sondern positiv aufgenommen. Er versucht nicht den Anschein zu erwecken, „die Weisheit mit Löffeln gefressen“ zu haben, sondern bildet sich fort.
Ganz wichtig ist mir, dass er immer authentisch und glaubwürdig wirkt. Er gibt mir ehrliche Rückmeldungen und ich habe nicht den Eindruck, als würde er sich mir gegenüber verstellen. Dazu gehört für mich auch, dass wir auch mal über etwas heftigere Sprüche lachen können und nicht alles auf die „Betroffenheitswaage“ gelegt werden muss. Wenn ich sage, dass ich „einen an der Waffel habe“, muss ich nicht unbedingt hören, dass „das doch sehr wertend ist“, ich mich damit klein mache blablabla. Überhaupt bin ich froh, dass wir „die gleiche Sprache sprechen“.

Herr A., falls Sie das jetzt doch gelesen haben: An dieser Stelle ein ganz großes DANKE für alles! (Muss auch mal gesagt werden dürfen.)

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