Diagnose

Zur Bedeutung einer Diagnose
Bis vor ca. zwei Jahren war mir eine konkrete Diagnose eigentlich egal. Ich dachte, dass Diagnosen in erster Linie wichtig für die Abrechnung bei der Krankenkasse seien. Ich war der Meinung, dass im Rahmen einer Therapie die Probleme bzw. die Stärkung von Ressourcen im Vordergrund stehen sollten, nicht die Diagnose. Mittlerweile bin ich jedoch der Auffassung, dass die Diagnose die Richtung der Therapie unbedingt (mit-)bestimmmen sollte.

So habe ich mich in meinen ersten Therapien z. B. nie richtig verstanden gefühlt, weil ich ständig den Eindruck hatte, wichtige Probleme und Erlebnisse würden übersehen, nicht ernst genommen oder gehörten einfach nicht dazu. Der therapeutische Fokus lag immer auf den Aspekten, die zu dem jeweiligen Zeitpunkt akut waren. Als ich wegen meiner Angststörung in Behandlung war und irgendwann zusammenbrach, weil mir alles so „groß“ erschien, unterstellte mein damaliger Therapeut mir, ich würde dramatisieren. Er fragte mich, ob ich mich etwa für ein psychisches Wrack hielte, und stellte fest, dass ich doch alles gut geregelt bekäme. Das fand ich nicht.

Hauptsache, die Diagnose passt mir in den Kram?
Es ist mir wichtig, nicht den Eindruck zu erwecken, dass ich mir diejenige Diagnose herausgesucht habe, die mir am besten passt, die mich vielleicht am besten dastehen lässt. Dies ist nicht Fall, ganz im Gegenteil: Ich ziehe weder einen Krankheitsgewinn daraus noch finde ich eine komplexe PTBS besonders spannend oder vorteilhaft. Es ist schwer, mit ihr zu leben. Aber: Es ist gut, dass sie einen Namen hat. Ich war tatsächlich erleichtert, als ich all meine Symptome beschrieben fand. Es war ein bisschen so wie Ankommen.

Der lange Weg zur Diagnose
Dass ich an einer  komplexen PTBS  leide, weiß ich seit 2009. Zwischen meinem ersten Therapieversuch und dieser Diagnose lagen fast 13 Jahre.

Mein erster Therapeut ging 1997 von einer „Dysthymia“ aus. Laut ICD10 (F34.1)  handelt es sich dabei um eine „chronische, wenigstens mehrere Jahre andauernde depressive Verstimmung, die weder schwer noch hinsichtlich einzelner Episoden anhaltend genug ist, um die Kriterien einer schweren, mittelgradigen oder leichten rezidivierenden depressiven Störung ( F33.-) zu erfüllen. Sie beinhaltet auch

  • Anhaltende ängstliche Depression
  • Depressive Neurose
  • Depressive Persönlichkeit(sstörung)
  • Neurotische Depression

Nicht enthalten ist die ängstliche Depression (leicht, aber nicht anhaltend) (F41.2).“

Mit dieser Diagnose konnte ich mich zwar „anfreunden“, ich hatte jedoch schon damals das Gefühl, dass sie nur einen Teil meiner Probleme erklärt/wiederspiegelt.

Bei meinem Klinikaufenthalt im Jahre 1999 erhielt ich die Diagnose „Posttraumatische Belastungsstörung„. Hierzu ist Folgendes  im IDC10 (F 43.1) zu finden:
Die Posttraumatische Belastungsstörung  „entsteht als eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer, mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde.
Prädisponierende Faktoren wie bestimmte, z.B. zwanghafte oder asthenische Persönlichkeitszüge oder neurotische Krankheiten in der Vorgeschichte können die Schwelle für die Entwicklung dieses Syndroms senken und seinen Verlauf erschweren, aber die letztgenannten Faktoren sind weder notwendig noch ausreichend, um das Auftreten der Störung zu erklären. Typische Merkmale sind

  • das wiederholte Erleben des Traumas in sich aufdrängenden Erinnerungen (Nachhallerinnerungen, Flashbacks),
  • Träumen oder Alpträumen, die vor dem Hintergrund
  • eines andauernden Gefühls von Betäubtsein und emotionaler Stumpfheit auftreten.
  • Ferner finden sich Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen,
  • Teilnahmslosigkeit der Umgebung gegenüber,
  • Freudlosigkeit
  • sowie Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten.
  • Meist tritt ein Zustand von vegetativer Übererregtheit mit Vigilanzsteigerung,
  • einer übermäßigen Schreckhaftigkeit und Schlafstörung auf.
  • Angst und Depression sind häufig mit den genannten Symptomen und Merkmalen assoziiert und
  • Suizidgedanken sind nicht selten.

Der Beginn folgt dem Trauma mit einer Latenz, die wenige Wochen bis Monate dauern kann. Der Verlauf ist wechselhaft, in der Mehrzahl der Fälle kann jedoch eine Heilung erwartet werden. In wenigen Fällen nimmt die Störung über viele Jahre einen chronischen Verlauf und geht dann in eine andauernde Persönlichkeitsänderung (F62.0) über.
Inkl.: Traumatische Neurose.“

Mit dieser Diagnose hatte ich immer meine Schwierigkeiten, weil ich einige Kriterien einfach nicht erfüllte. Trotzdem hatte ich den Eindruck, dass sie meinen Problemen schon sehr nahe kam. Unterm Strich stimmt sie ja auch.

2002 wurde bei mir eine „Angststörung“ diagnostiziert. Genaueres weiß ich leider nicht, da ich nie genauer nachgefragt habe und die Therapie ziemlich unerwartet endete (vgl. Menüpunkt „Therapieerfahrungen“).

Die Diagnose „komplexe Posttraumatische Belastungsstörung“ begleitet mich seit 2009, wobei sie im ICD-10 noch nicht als solche gelistet ist und meine offiziellen Diagnosen daher noch „Posttraumatische Belastungsstörung“ und „Dysthymia“ lautet. Wolfgang Wöller fasst die Symptome einer komplexen PTBS wie folgt zusammen:

  • „depressive Symptome
  • emotionale Instabilität
  • dissoziative Phänomene
  • Somatisierungsstörungen
  • funktionelle Sexualstörungen
  • körperliche Erkrankungen
  • Angststörungen und Panikattacken
  • Essstörungen
  • Substanzmissbrauch“. (vgl. Wöller 2006, S 116)

In ihrem Vortrag im Rahmen der Veranstaltung „ Initiative Frauenmedizin in der Klinik und Praxis, Psychiaterinnen laden ein e.V., St. Marien Hospital Hamm“ vom 25.10.2006 beschreibt Frau Dr. med. Susanna Smolenski die Symptome einer komplexen PTBS wie folgt:
„Nach Judith Herrmann und Bessel van der Kolk bzw. nach den DESNOS-Kriterien werden der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung folgende Symptome zugeordnet:

  • Störungen der Regulierung des affektiven Erregungsniveaus (u. a. Schwierigkeit, Ärger zu modulieren, selbstdestruktives und suzidales Verhalten, impulsives und risikoreiches Verhalten )
  • Störungen der Aufmerksamkeit und des Bewusstseins (u. a. Amnesie und dissoziative Störungen)
  • Somatisierung
  • Chronische Persönlichkeitsveränderungen (u. a. Änderung in der Selbstwahrnehmung wie z. B. chronische Schuldgefühle, Selbstvorwürfe, Gefühle, nichts bewirken zu können, Gefühle, fortgesetzt geschädigt zu werden, Änderung der Wahrnehmung des Schädigers, Veränderung der Beziehung zu anderen Menschen)
  • Veränderungen in Bedeutungssystemen (u. a. Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, Verlust der bisherigen Lebensüberzeugungen) […]

In folgenden Punkten überschneiden sich die Symptome der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung und der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung:

  • Störungen der Affektivität und der Regulierung des affektiven Erregungsniveaus
  • Störungen der Aufmerksamkeit und des Bewusstseins (z. B. dissoziative Symptome)
  • Störungen der Selbstwahrnehmung
  • Impulsive und risikoreiche Verhaltensweisen
  • Störungen des Sexualverhaltens
  • Störungen des Beziehungsverhaltens (u. a. Unfähigkeit zu vertrauen und Beziehungen mit anderen aufrecht zu erhalten, Schwierigkeiten mit der Regulation von Nähe und Distanz)
  • Somatisierungsstörungen
  • Selbstdestruktives und suizidales Verhalten.“

(Quelle: http://www.ehrenwall.de/PDF/Zusammenfassung%20Vortrag%20Hamm.pdf)

16 Gedanken zu „Diagnose

  1. Hallo Maya,
    ich bekam relativ schnell die Diagnose komplexe ptbs. Aber, ich finde es ganz schlimm, wenn man dann in einer Klinik ist und nur weil man svv betreibt, heißt es gleich: borderline! Das ärgert mich, da es nicht so ist. Ich bin einfach enttäuscht darüber dass psychiatrisches Personal die Einstellung eines Laien übernimmt: wer sich selbst verletzt, der hat dann halt Borderline! Das finde ich sehr traurig!!!
    Lg Juli

  2. Liebe Maya,
    ich finde es schlimm, was du erlebt hast. Ich denke über meine Geschichte auch: war doch nicht so schlimm!!! Wegen der Diagnose. Ich bekam von meinem Therapeuten relativ fix die Diagnose komplexeptbs. Aber es ärgert mich, wenn man dann stationär ist, wegen svv, und man dann direkt in die Borederline Schiene gedrückt wird und vor allem auch so behandelt wird. Das finde ich sehr schlimm. Und das macht einen hillflos. Dass eigentliches Fachpersonal nicht weiß, dass man wenn man sich selbst verletzt nicht immer gleich borderliner sein muss!
    Lg Juli

  3. regenwurm
    mir wurde die Diagnose „verweigert“, weil angeblich meine „körperlichen“ Wunden nicht ausreichend sind … z.B. Todesdrohungen während Krebserkrankung, fast verblutender Sohn nach Selbstmordversuch und massenhaft weiteren „aktuellen“ Ereignissen nach schwierigen Erlebnissen aus der Kindheit … Jede „professionelle“ Hilfe wurde verweigert, weil ich ja „krank“, uneinsichtig und nicht willig zur Veränderung bin. Ein weiterer Rat; ich darf meine Mitmenschen mit meinen Erlebnissen und Bitten nicht überfordern. Familie hat sich abgewandt; ansonsten viel Distanz und Ausgrenzung… Es ist trotz meiner vielen Bemühungen um Erhalt der beruflichen Tätigkeit, Erhalt eines gesundheitlichen Minimums, Auswegen, Freizeitbeschäftigungen neben meinem großen tiefen Schmerz und den vielen Einschränkungen kein „normales“ Leben möglich, nur ein Hinauszögern … mit ungewissem Ausgang. Fühlt sich ein wenig wie auf einer Bombe zu sitzen an. Jede falsche Reaktion kann das Ende sein…

  4. Hey,
    Ich habe mich heute mit meiner Therapeutin (bei der ich seit über fünf jähren bin!) wegen eines neuen Antrags über meiner Diagnose unterhalten…
    Ich habe auch die Diagnose cptbs, dennoch vorher lange zeit den „Borderline“ Stempel aufgedrückt bekommen…..mit Therapeuten in Kliniken, die immer, wenn ich mich gegen die Diagnose gestemmt habe, sagten „aber hier ist das Schema… Das kennen Sie sicherlich auch?!“ Und mein NEIN wurde selten akzeptiert…
    Ich schreibe jetzt auch hier, weil ich es satt habe, den Borderline Stempel zu bekomm, nur weil ich mich selbst verletzte….sonst spielt da gar nichts mit rein!!!
    Diese Diskriminierung hat meine Therapeutin heute auch kurz benannt: “ Hat man
    SSV, schon ist man Borderline! Was für ein Schwachsinn!“

    Ich bin jahrelang mit der Diagnose rumgelaufen und hab mich nie gut damit gefühlt… Bzw. verstanden und angenommen.
    Ich denke schon, dass es einige Überschneidungen zwischen der cptsd und der BPS gibt, jedoch werden diese häufig nicht erkannt und man wird in Schubladen gesteckt.

    Ich wünsche mir so séhr für alle fälschlich mit der Diagnose behafteten Menschen mit Bsp, dass sie den Mut haben, auch mal NEIN, das stimmt so nicht, zu sagen… Denn manchmal wird vieles durch eine „Diagnose“ vorbestimmt in drei therapeutischen Zusammenarbeit!

  5. Hallo,

    Wei gut ich das kenne! Seit 2 Jahren kämpfe ich um eine Diagnose, bzw um eine ordentliche Testung, die bisher nur einmal stattfand, nämlich als ich an einer wissenschaftlichen Studie teilnahm. Seit Jahren habe ich einen harmonischen Krankheitsverlauf: Krebsdiagnose=> Hirnoperation=>Epilepsie=>Depression=>Frührente. Und jetzt komme ich daher und zweifle ein paar Dinge an. Meine Depression ist nicht die Krankheit, sie ist ein Symptom, meine epileptischen Anfälle sind Panikattacken, die Psychiater und Neurologen haben unrecht. Kein Arzt will mir eine PTBS zugestehen, obwohl ich von der Psychotherapeutin darauf behandelt werde und die Krankenkasse abgenickt hat.
    Ich weiß gut, wie wichtig eine Diagnose ist, die auch die Krankheit beschreibt. Ich habe festgestellt, wie schwer es Psychiatern fällt, zuzugeben, dass auch kleine Kinder eine Seele haben und schon verletzbar sind.
    Bei mir war das Trauma ein langer Krankenhausaufenthalt als Kleinkind in den 60ern, danach weitere Traumatisierung über die gesamte Kindheit. Misshandlung, emotionale Vernachlässigung und das ganze Programm.
    Zur Zeit bearbeite ich das Ganze literarisch, ich schreibe an einem Buch, wenn es mir gerade möglich ist und ich nicht in der Klinik bin. Seit 3 Jahren bin ich dort quasi Dauergast auf der Depressionsstation, seit meinem ersten und sicher nicht letzten Suizidversuch.

    LG Heiner

  6. Hallo Freunde,
    ich bin Rettungsassistent und arbeitete in der Schweiz im Rettungsdienst, Flugmedizin und Gerichtsmedizin. 3 Jobs gleichzeitig und zuhause damals 2 Kinder 11 und 13 sowie eine Ehefrau und Mutter die an Schitzophrenie erkrankt war und uns das Leben zur Hölle gemacht hatte (5 Jahre lang) näher möchte ich nicht darauf eingehen weil es den Rahmen sprengen würde.

    Alles in allem wurde bei mir nach kurzer Zeit durch Beruf und Privatleben eine Kompexe PTBS festgestellt. Seit 2005 bin ich berentet zu 100 % und nachdem ich 2009 nochmals heiratete und nun 2 kleine Kinder Jungs 2 und 4 habe geht es mir an den Tagen wo ich mir Ruhe gönne sehr gut. Kinder im Kindergarten und Ehefrau arbeitet. jedoch das kleinste bisschen Stress, es langt schon das klingeln des Tel. lassen meinen Puls hochjagen und das schlimmst ist das innerhalb der Familie niemand respekt vor meiner Erkrankung zollt.

    Einzig 2 Therapeuten die mich betreuen und meine jetzige Ehefrau geben mir Kraft durch den Tag zu kommen.

    Nachts schlafen fast unmöglich (Alpträume) und am Tage jeweils 2 mal 2 Stunden schlafen und spazierengehen mit dem Hund , das ergibt für mich ein einigermassen erträgliches Alltagsleben.

    Leider sind Kontakte zu meinen 3 Geschwistern kaputtgegangen, weil Sie nie verstehen konnten das ich nicht soviel auf Familienfeiern komme usw.

    Mein Halt: 2 Therapeuten, 1 Ehefrau und 4 Kinder (2, 4 20 und 22)…

    Liebe Grüsse Tom

  7. Liebe Maya,

    zunächst: danke für dieses Dein Blog und das Teilen Deiner Erfahrungen!!!

    Was die (Fehl-) Diagnose Borderline angeht, möchte ich – auch für alle, die es sonst hierher verschlägt – noch einen weiteren, zumindest für mich sehr belastenden Aspekt hinzufügen:

    Ich habe „meine“ – bis heute nicht offiziell diagnostizierte – kPTBS längst nicht nur, aber wesentlich auch deshalb, weil ich mich der massiven psych./emotionalen und z.T. sex. Gewalt DURCH EINE BORDERLINERIN* (mit stark histrionischen bis dissozialen Anteilen) viel zu lange ausgesetzt habe.

    Die Diagnose „BL“ erhielt ich prompt, nachdem ich mich endlich dazu durchringen konnte, einen klaren Schnitt mit dieser zerstörerischen Beziehung zu machen – auch wegen des übermäßigen Alkoholkonsums meiner Ex, der mir selbst das Weniger-Trinken extrem erschwerte, und wegen ihrer ständigen Ausraster im Suff, Hass-Attacken, Lügen und Wahrnehmungsverdrehungen („crazy making“) …

    Ich kann bis heute nur erraten, dass wohl die diagnostizierende Psychiaterin in diesem – für mich überlebensnotwendigen – Schritt einen „borderline-typischen“, weil „abrupten“ Beziehungsabbruch sah, nachdem sie meine auf 2 DINA4-Seiten komprimierte Lebensgeschichte von Angriffen und Todesdrohungen in der Kindheit, psych. Missbrauch / Gewalt, fortgesetztem & wiederholtem Mobbing und institutionalisierter psych. Gewalt durch Behörden „ja so viel zu lesen“ fand (und also nicht las oder nicht ernst nahm).

    Insofern – und vielleicht bin ich da nicht die einzige? – stehe ich heute selbst mit der Diagnose einer meiner übelsten „Gefühlstäterinnen“ da (die sich natürlich für komplett „gesund“ hält, während sie mindestens eine Ex-Schutzbefohlene sogar an die Nadel gebracht hat …).

    Eine solche Fehldiagnose i.S.v. Zuschreibung eines (für mich) tatsächlichen „Täter-Etiketts“ fühlt sich nicht nur toll an (juhu, wieder noch mehr Zweifel an der eigenen Wahrnehmung, danke!), sondern in der Tat werden (dann?) von einem Großteil des „Fachpersonals“ ganz viele wichtige Aspekte der Lebens- bzw. Krankheitsgeschichte überhaupt nicht (mehr?) adäquat wahrgenommen, sondern bagatellisiert oder ignoriert. Insbesondere änderte sich nach dieser Diagnosestellung (zuvor war es „nur“ F33.2) das Verhalten der Psychiaterin mir ggü. gravierend – erst recht nach meinem Widerspruch und hartnäckigen Nachfragen, warum sie diese Diagnose stellte und nicht berücksichtigte, dass diverse Symptome sich erst schrittweise und einige erst seit einer kompletten Dekompensation nach Retraumatisierung eingestellt hatten (zw. 30 und 40). Antwort: „Ach, na ja, Diagnosen …“

    Zuvor zugesichertes „jederzeit im Notfall Vorbeikommen-Können“, das nie in Anspruch genommen wurde, nun aber wg. Behördenkram unumgänglich war, wurde plötzlich als Stalking wahrgenommen, wichtige Absprachen wurden nicht mehr eingehalten, sondern offensichtlich als „borderliniger Manipulationsversuch“ eingestuft und stillschweigend zu umgehen versucht usw. – es war haarsträubend für eine, die sowieso größte Mühe hat, sich in „die Fänge“ anderer zu begeben …

    Sorry für den langen Kommentar und alles Gute für Dich und Deine Leser_innen!!

    * (Ich möchte hiermit keineswegs alle Menschen mit BL über einen Kamm scheren, sondern be/schreibe dies so nur aus persönlicher Betroffenheit durch jene „Gefährlichkeit“ bestimmter PS-Anteile /-konstellationen innerhalb BL, wie sie auf borderlinezone.org nach meiner Erfahrung sehr zutreffend beschrieben ist!)

  8. Hallo Heiner,

    deine Verzweiflung, die aus deinen Zeilen spricht ( bin gerade erst auf diese webseite gekommen, sorry), spüre ich und teile ich mit dir!
    Ich habe erst jetzt von einer Psychotherapeutin die eindeutige Diagnose chr, kompl., PTBS bekommen, wegen Vernachlässigung, Körperl. und psychischer und sex. Missbrauchs in der FRÜHESTEN Kindheit.
    Seit ca 11 Jahren doktert man an mir rum, Instab Pers.störung, generalis. Angststörung, schwere Depress, Borderline……alle mögl. und unmöglichen Medikamente mit bis zu 800 mg Seroquel tgl., wenigstens 10 versch. Antidepress., ….dadurch 40kg zugenommen, ( 20 sind aber nach Absetzen von Sero wieder runter!)!
    Ich habe dennoch Hoffnung, dass ich noch mal Linderung bekomme durch die jetzige Traumatherapie.

    Bei mir liegen die grössten Probleme in der Beziehungsgestaltung, Und gerade da sehne ich mich nach verlässlichen heilsamen Beziehungen……
    Ich gerate nahezu i m m e r an TÄTER!!!!!!!!

    Wenn es mir dann mal wieder „reicht“, tritt das Symptom Störung der Regulierung des affektiven Erregungsniveaus auf.

    Ich bin verdammt dazu, allein zu bleiben, weil „man“ mich wohl nicht erträgt!

    Das ist ein Dilemma, aus dem ich noch keinen Ausweg weiss.

    Man entzieht mir schon meine Enkelin, weil mit der Oma kann man sie ja nicht allein lassen!

    Jemand sagte mal zu mir:
    In deinen Augen steht der Schrei nach Liebe!

    Oder:

    Auf deiner Stirn steht ganz gross: OPFER!!!!

    Wahrscheinlich bin ich wohl auch unfähig gewesen, mein 3 Söhne richtig ins Leben zu begleiten, mein Ex Mann hat mich mit meinen ganzen Kindheitsproblemen im Stich gelassen und mir immer gesagt, lass mich damit in Ruh! Ist ja alles schon so lange her, hör mal mit den alten Geschichten auf! ( und mich sexuell stets genötigt, indem er mir sooo wenig Haushaltsgeld gab, damit ich mit ihm schlafe, dann gab er mir geld dafür )!

    Na hoffe wir, dass ich noch irgendwie zu retten bin, sonst wird mein restl.Leben weiter so traurig weitergehen!

    Hat sich an deiner Situation denn schon was verändert zum guten hin?

    Ich wünsche es dir sehr,

    herzliche Grüsse
    Rena

  9. Hallo Rena,

    Da geht es mir ja noch gut, wenn ich denke, was du alles durchgemacht hast. Ja, es gibt ein paar positive Schritte. Zum einen ist mein Neurologe von der Epilepsie-Diagnose abgesprungen und ich konnte endlich meine Epilepsie-Medikamente absetzen, bisher, nach einem Vierteljahr, ohne jegliche Komplikation.

    Mittlerweile habe ich bei einem neuen Klinikaufenthalt gelernt, mit meinen Panikattacken und Angstzuständen besser umzugehen, ein ordentliches Skill-Training hat es möglich gemacht, und komme jetzt in der Hinsicht etwas besser zurecht. Doch jetzt ist ein anderes Problem in den Vordergrund getreten, Derealisations- und Depersonalisationszustände setzen mir jetzt viel mehr zu und in der Psychotherapie geht es auch nicht mehr voran…aber egal, hab meine 80 Stunden demnächst voll und muss dann 2 Jahre pausieren.

    Gut ist auch, dass ich es momentan einigermaßen schaffe, aus meiner Isolation herauszutreten und wieder am Leben teilzunehmen. Das tut mir gut. Im März gehts wieder in die Klinik, dieses mal in eine Tagesklinik, mal sehen, was sich dann Neues ergibt.

    Ich hoffe, dir geht es bald wieder besser!
    Vielleicht bleiben wir ja auch im Kontakt?

    Liebe Grüße
    Heiner

  10. Hallo Heiner,
    das klingt ja doch positiv und hoffnungsvoll, was du berichtest.
    Ja, ich finde – tu was du kannst, um mit deinem Problem fertigzuwerden, eine Tagesklinik ist eine gute Sache – war ich auch schon, vor 10 Jahren.
    Da fing ich an, mit und an mir zu arbeiten.
    Aber die Diagnose stimmte damals auch nicht bei mir.
    Borderline, Generalisierte Angststörung und was nicht noch alles hatte man mir „angedichtet“.
    Und dann kamen die Medikamente, von denen ich aber gottseidank wieder runter bin.

    Nun habe ich seit 3 Monaten eine Therapeutin, die „anders“ mit mir arbeitet.
    Umfassender, aber auch spezieller auf m e i n e Störung – eben bei der Gestaltung von Beziehungen.
    Ich habe ein Nähe / Distanzproblem, ausgelöst in meiner Kindheit durch etliche Vertrauensbrüche,Traumata usw…. na ja eben PTBS.
    Ich weiss gar nicht, wem ich vertrauen soll und wem nicht und das haut mich immer wieder rein in die Fallen! So dass ich eigentlich schon gar niemandem mehr vertrauen will.
    Na ja, wie gesagt, ich arbeite dran!

    Hab von der Kr K erstmal nur 25 Std genehmigt – wie meine Therapeutin aber meint, brauch ich dreimal so viel. Na hoffentlich werden die auch noch durchgehen.

    Was sind denn Derealisations und Depers. zustände??? wie äussert sich das?

    So nun ist die Woche wieder um, gut oder schlecht?
    mal sehen….

    Ich wünsche dir ein angenehmes Woe und vielleicht bis bald mal hier wieder?
    Würde mich freuen!

    Liebe Grüsse
    Rena

  11. Hallo Rena,

    Du sagst es, die Woche ist rum, bei mir wieder mal eher schlecht, war mal wieder voll in der Dissoziation, das war nicht angenehm.

    Ja, die Derealisation/Depersonalisation. Das kennst du sicher auch. Das gehört eigentlich zur PTBS dazu. Derealisation ist so ein Fremdheitsgefühl, als wäre deine Umwelt auf einmal fremdartig, auch Dinge, die dir sonst vertraut sind, sind dir fremd und auch unheimlich, auch Personen. Wenn es schlimm wird, bist du wie in Watte gepackt und nimmst dein Umwelt kaum noch wahr, als wäre eine Glasscheibe zwischen dir und der Welt. Das kann schon richtig Angst machen. Bei der Derealisation bezieht sich diese Fremdheit auf dich selbst, dein Körper ist dir fremd, du hast das Gefühl, dass deine Arme oder Beine nicht zu dir gehören, du spürst sie nicht und bewegst sie nur noch automatisch. Das ist oft ein Gefühl, als wäre man ein Kopf ohne Körper oder sogar nur noch zwei Augen ohne jeden Bezug zum Körper.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass du das auch kennst…ich kenne diese Erlebnisse schon aus meiner Kindheit und Jugend, da bin ich auch schon ständig ausgestiegen. Manchmal ist es sogar ganz nützlich, wenn man sich in Stressituationen wegbeamen kann, aber es passiert eben immer dann, wenn man es nicht gebrauchen kann. Ich habe teilweise schon Wochen in diesem Zustand verbracht…das ist die Hölle!

    Aber zum Glück ist es momentan nicht ganz so schlimm und eigentlich noch erträglich. Zum Glück bin ich schon einige Zeit berentet und habe nur noch wenig Stress, das macht die Situation etwas leichter.

    Ich wünsche dir auch noch ein schönes Wochenende, zumindest das, was jetzt noch davon übrig ist…und natürlich Alles Gute ;o)

    liebe Grüße
    Heiner

  12. Ich kann zu nichts gezwungen werden.
    Auf grund von folter im 5 lebensjahr.
    Ich kann nur das was ich tun will.alles andere setzt mich körperlich ausser gefecht.
    Ich übergebe mich….bekomm magengeschwüre, gelenksprobleme usw…die liste ist endlos.

    Ich kann nicht lügen…bin übertrieben wahrheitsliebend. Strebe nach gerechtigkeit.

    Ich bin komplett arbeitsunfähig in unserem system. Ich hasse geld.und bin der übrzeugung wenn es geld nicht gäbe wäre unsere wertschätzung der welt gegenüber viel ausgeprägter….uns allen würde es besser gehen.
    Ich bin musikqlisch hochbegabt und sehr selbstbezogen. Herzlichen dank alex (heute polizist in wiener ns). Danke das ich nicht lügen….mich nicht verleugnen….mich nicht für irgendjemanden biegen kann….und nicht unmoralisch und sehr ungehorsam unserem system gegenüber bin.

    Ich fühle mich sehr einsam damit….
    Weil ich mit so viel nicht klar komme (wobei es bei einem anderen nur schulterzucken und ignoranz hervorruft)
    Für mich sind solch dinge die für andere normal sind….unmoralisch ignorant….usw.

    Und auf grund meiner intelligenz und meiner hochbegabung im musikalischenbereich….nimmt mich keiner ernst. Die glauben ernsthaft..“hy sie ist so klug und total lebensbejahend warum denkt sie ein problem zu haben…sie istvein super guter mensch“ ICH WURDE GEFOLTERT…MIR WURDE MIT EINER GABEL DIE SPEISERÖHRE VERLETZT…..ICH ERBRACH BLUT VERDAMMTE SCHEISSE!!!NICHTS IST IN ORDNUNG. ICH WAR FÜNF….UND AUF GRUND MEINER ATMUNG „DIE LAUT ALEX“ FALSCH WAR BEKAM ICH JEDEN ABEND DEN GÜRTEL ZU SPÜREN ANSTATT EINE GUTE NACHT GRSCHICHTE ZU HÖREN.

    Ich war 5. Und diese aufgezählten situationen sind nur ein winziger bruchteil von dem was er (meine familie) mir angetan hat. Nicht mal der arzt half mir. Unglaublich….was ist an schock, verletzter speiseröhre und blut im magen so schwer zu übersehen….
    Bei mir ist es sehr komplex. Ganz besonders wegen meiner selbstbewussten art die ich an den tag lege.aber kritik…woah…kritik bricht mir das herz.und wenn mir etwas befohlen wird. Oder wenn ich etwas tun „MUSS“ erledige ich nichts. Mit voller absicht. Eine sehr komplexe geschichte von ptbs…ich hab noch nichts vergleichbares wie meinen fall gefunden. Würd ich aber gern…in diesem fall bin ich nicht gern nummer 1. Und wie erklärtman das seiner familie die man liebt aber von dieser mit fünf ignorant und wirklich schlecht behandelt wurde.ich will sie nicht hassen. Aber irgendwie lässt sich es durch diese vernachlässigung fast nicht vermeiden.

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