Gute Besserung – Nebenwirkung: Angst

Es ist schön, dass es mir besser geht. Nicht so schön ist, dass „Aufschwünge“ immer damit einhergehen, dass sich altbekannte Glaubenssätze melden. Momentan besonders stark: So wie du lebst/bisher gelebt hast, stirbst du eh bald/wirst du sowieso nicht alt. Anders: Wenn es dir gut geht, passiert etwas Schlimmes.
Ich habe Angst. Und ich weiß, dass es in solchen Phasen wichtig ist, mich nicht selbst herunterzuwirtschaften, damit es mir wieder schlechter geht. Damit die Angst wieder abnimmt. Blödes Spiel.

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Status // Gedanken

Ich bin mal wieder zu weit gegangen und habe mich bzw. meine Kräfte maßlos überschätzt. Ich bin gelaufen und gelaufen, bis ich keine Luft mehr hatte: Mir fiel das Denken schwer, ich konnte nicht mehr arbeiten, mir fehlten Antrieb, Sinn und Bezug.
Inzwischen geht es mir wieder einigermaßen. Vielleicht habe ich mittlerweile tatsächlich ein paar Dinge begriffen. Und damit ich sie nicht wieder vergessen, widme ich ihnen diesen Artikel. :-)

Selbstfürsorge und Stabilisierung sind wichtig – auch für mich
Es war wichtig zu erkennen, dass ich den Stellenwert von Selbstfürsorge für mich persönlich mal wieder unterschätzt habe. Und es war hilfreich und gut, ihr wieder einen größeren Stellenwert einzuräumen.
Einige meiner Vorsätze der vergangenen Woche (vgl. letzter Artikel) konnte ich tatsächlich umsetzen:

  • Ich habe ausreichend Wasser getrunken,
  • mit wenigen Ausnahmen „aktiver“ gegessen und
  • die Globuli fast regelmäßig eingenommen.
  • Die Wohnung ist in Ordnung (morgen dann wieder richtig).

Das mit dem Rauchen hat nicht geklappt und die Imaginationsübungen … Ich arbeite dran.
Das Ergebnis, trotzdem: Ich fühle mich besser und will das auch so.
Der Plan: dranbleiben.

Entfernung und Kontaktaufnahme
Je besser es mir geht, desto weiter entferne ich mich von meinen Problemen. Ich verliere den Bezug, die Therapie kommt mir unwirklich und unnötig vor. Jetzt könnte man sagen: Hey, das ist doch gut. Man muss und kann sich auch nicht immer mit seinen Problemen beschäftigen. // Lass es doch mal ruhig angehen! // Erholungsphasen sind wichtig. // Sei doch froh, dass es dir nicht mehr so schlecht geht. usw.
Das ist alles wahr. Keine Frage. Aber: Ich empfinde die Entfernung vom Problem auch als Entfremdung von mir selbst. Und ich habe Sorge, dass ich den Anschluss wieder verliere, dass sich die Anteile wieder verschließen, zu denen ich gerade erst mühevoll Zugang gefunden habe. Mein Therapeut, Herr A., meinte dazu, dass sich der Kontakt doch in letzter Zeit ganz gut habe herstellen lassen … Ich hoffe, er hat recht.
Eine sehr lange Zeit war es so, dass entweder meine funktionsfähige, anscheinend normale Persönlichkeit das Ruder übernommen hat oder ich eher von meinen Ego-States gelenkt wurde. Dann war ich entweder oder. Damals war mir das jedoch noch nicht so bewusst, es passierte einfach. Wenn ich funktionierte, hatte ich eine ziemlich große Distanz zu meinen Problemen. Und ich vergaß viele Aspekte wieder, die ich mir kurz zuvor erarbeitet hatte. Das hatte den Effekt, dass ich die gleichen Erkenntnisse häufig mehrfach hatte.
In diesen Phasen ging es mir zwar nicht richtig gut, aber eben auch nicht katastrophal schlecht.
Beschäftigte ich mich mit meinen Problemen, wurde das Funktionieren schwieriger.
Vielleicht hilft das Wissen um die Möglichkeit der Kontaktaufnahme tatsächlich, den fehlenden Bezug hinzunehmen. Denn: Auch wenn es nicht angenehm ist, emotional betäubt zu sein und den Bezug zur eigenen Geschichte zu verlieren, so stellt es doch zunächst die bessere Alternative dar. (Memo: Nicht vergessen, es ging mir richtig, richtig schlecht.)

Sinn
So sehr ich mich eigentlich gegen die Frage wehre, welchen Sinn meine Erlebnisse haben könnten, so sehr hat mich gestern ein Gespräch bewegt, dass ich mit einem sehr schlauen Menschen führen durfte. Das Ergebnis: Vielleicht hat alles doch ein wenig Sinn. Ich denke, dass mir meine Erfahrungen eine gewisse Tiefe gegeben haben. Reflexionsvermögen vielleicht. Und Verständnis. Es ist nicht schön, so zu sein, aber irgendwie auch eine Chance. Vielleicht.

Morgen mehr zu den Gedanken. Danke fürs Lesen!