Therapieerfahrungen

Hier findet sich ein kurzer Überblick über meine bisherigen Therapieerfahrungen, die zum Teil wenig hilfreich bzw. kontraproduktiv waren. Meine aktuellen und hilfreichen Erfahrungen sind im Blog (Home) zu finden. Unter „Therapiebausteine“ (rechts auf der Home-Seite) können die Beiträge geordnet gelesen werden.

ambulante Therapien

Von meiner ersten tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie (80 Stunden), der Therapeut war auch Bio-Energetiker nach A. Lowen, konnte ich kaum profitieren. Mein Therapeut und ich hatten ein recht gutes Verhältnis, ich war schnell sehr auf ihn fixiert. Er war der erste Mensch, der mir zuhörte. Ich habe es jedoch nie geschafft, „wirklich“ zu reden.

Die bioenergetischen Übungen, die wir ab und an versuchten, scheiterten meist daran, dass ich mich einfach nicht darauf einlassen konnte. Es war mir zu diesem Zeitpunkt einfach nicht möglich, auf ein Kissen einzuschlagen o. Ä. Ich wünschte mir Berührungen, konnte sie aber kaum ertragen. Daher endeten solche Versuche meist im Fiasko. Ich wurde zickig, war verzweifelt und wollte nicht nur einmal den Kontakt abbrechen. Mein Therapeut reagierte darauf mit Sprüchen wie „Bock dich erst mal aus!“ oder er verwies auf den abgeschlossenen Therapievertrag, der beinhaltete, dass ich die Therapie nur innerhalb einer Sitzung kündigen konnte.

Ich war außerdem immer sehr empfindlich, was seine Offenheit und sein persönliches Befinden betraf. Er bot mir sehr schnell das Du an und ich erfuhr eine Menge über sein (Privat-)Leben und unschöne Erfahrungen. Ich spürte sehr zuverlässig, ob ihn etwas beschäftigte, es ihm eher gut oder schlecht ging, er bei der Sache war oder nicht. War er es nicht, zog ich mich zurück und fühlte mich nicht mehr angenommen.

Hinzu kam, dass er die Sitzungen häufig sehr kurzfristig absagte, was mich in meiner vorhandenen Abhängigkeit sehr mitnahm.
Einige seiner Aussagen verstörten mich fast, z. B. als er das Schlagen von Kindern relativierte.

Unsere „therapeutische Beziehung“ endete dann auch sehr unschön. Es gab einen größeren Konflikt, den ich in einem Abschlussgespräch klären wollte. In diesem Gespräch äußerte er u. a., dass er sich nicht sicher sei, „ob das bei mir alles was bringt“.
Gut war, dass ich durch eine andere Klientin von ihm von einer sehr guten Klinik erfahren habe. Und ich habe sehr schmerzhaft gespürt, dass ich bestimmte Dinge nicht kann, aber sehr gerne können würde, nämlich über meine Erfahrungen sprechen und Nähe zulassen.

Eine zweite Therapeutin, die mir als sehr kompetent empfohlen worden war, erzählte mir in der zweiten Sitzung von ihrer Scheidung, nach der Stunde half ich ihr, ihre Sommerreifen aus dem Keller zu holen. In der nächsten Sitzung fragte sie mich, ob ich nicht mit ihr gemeinsam einen Kurs (Erwachsenenbildung) abhalten wollte. Ich hab „das dann gelassen“.
In einer Klinik erzählte mir ein Therapeut, dass der Stock, mit dem ihn sein Vater immer verprügelt hatte, „Paul“ hieß. Danach konnte ich mich nicht mehr wirklich auf die Therapie einlassen.

Viele Therapeuten, die ich kennengelernt habe, wurden sehr schnell zu privat bzw. zu offen. Abgesehen davon, dass ich finde, dass manche Dinge einfach gar nicht gehen, wirke ich wohl nach außen häufig sehr (lebens-)kompetent. Man traut mir meine Probleme nicht zu.

Meine zweite längere ambulante Therapie (50 Stunden) machte ich bei einem Verhaltenstherapeuten. Hier erhielt ich zum ersten Mal eine Rückmeldung zu meinen Erlebnissen. Der Therapeut war nicht „neutral“, sondern zeigte sich erschüttert über das, was ich ihm zu lesen gegeben hatte. Auch meine Überraschung darüber, dass er das „heftig und erschreckend“ fand, thematisierte er. Das verwirrte und berührte mich. Es war das erste Mal, dass jemand Stellung bezog. Und das tat mir sehr gut.
Leider haben wir in dieser Therapie immer wieder den Faden verloren, u. a. weil in meinem Leben zu diesem Zeitpunkt ziemlich viel los war. Und so richtig rund lief es in der Therapie leider letztendlich auch nicht mehr.

Als ich irgendwann mal zusammenbrach, weil mir alles so „groß“ erschien, meinte er, ich würde dramatisieren. Er fragte mich, ob ich mich etwa für ein psychisches Wrack hielte, und stellte fest, dass ich doch alles gut geregelt bekäme. Ich bin sicher, er wollte damit auf meine Ressourcen hinaus, die Aussage ging jedoch total nach hinten los. Ich bin mir noch immer nicht sicher, ob ich nicht doch dramatisiere. In meiner jetzigen Therapie ist dies häufig Thema.

Als wir dann irgendwann nicht mehr weiterkamen, beschlossen wir, die Therapie für ein halbes Jahr zu unterbrechen. Ich sollte mich im folgenden Frühjahr wieder melden. Um es kurz zu machen: Er war für mich in den folgenden drei Jahren nicht zu erreichen. Weil ich nicht nerven wollte, versuchte ich es insgesamt auch nur fünf oder sechs Mal. Zwischendurch dachte ich immer wieder, dass die Sache für mich erledigt sei, ich wollte damit abschließen. Es gelang mir nicht und es ging mir schlecht damit. Ich fühlte mich im Stich gelassen und stellte mir ständig die Frage, aus welchem Grund er mich „fallen gelassen“ hatte. Schließlich schrieb ich ihm einen Brief, auf den er dann auch tatsächlich reagierte. Alles ein Missverständnis usw. … Wir trafen uns zu einem klärenden Gespräch, in welchem ich die ganze Zeit heulte und er sich ganz charmant gab. Er sagte, es täte im alles sehr Leid.

Diese Geschichte fällt mir besonders schwer zu beschreiben, da ich die Zweifel fast hören kann: „Na ja, wer weiß, was da wirklich vorgefallen ist, wie sie sich benommen hat, ob sie nicht doch gestalkt hat …“ Ich weiß, dass die Sache sehr unglaubwürdig klingt. Aber sie war so. Und das nicht nur „aus meinem subjektiven Empfinden heraus“. Dass ich verstehen kann, dass man die Geschichte anzweifelt, macht es nicht wirklich besser.

– Fortsetzung folgt –

13 Gedanken zu „Therapieerfahrungen

  1. Puh… ich hab bis jetzt auch nur schlechte Erfahrungen mit Therapeuten gemacht. Ich breche demnächst die 2. Verhaltenstherapie ab – die Therapeutin hat keinerlei Ahnung von Trauma und deshalb auch keinerlei Enfühlungsvermögen. Ich fühle mich nicht angenommen. Muss mich oft verteidigen oder gar für mich belastende Dinge mehrfach erklären – sie versteht es nicht. Die Therapie davor hab ich auch abgebrochen, aus dem selben Grund: Keine Empathie, kein Umgang mit Trauer, Trauma und auftauchenden Erinnerungen möglich, fehlende Annahme des Therapeuten und so weiter….
    Suche nun einen Traumatherapeuten. Sowas scheint aber Mangelware zu sein.
    Wenn ich keinen finde, geh ich in eine Klinik. So geht es nicht mehr weiter.
    Danke fürs Lesen,

    Gaby

    • Hallo Gaby,
      ach Mensch, das hört sich nicht gut an … :-/ Gibt es denn mittlerweile Neuigkeiten?
      Ich drücke Dir die Daumen und wünsche Dir alles Gute!
      Maya

  2. Liebe Maya, es hat mir geholfen, deine Erfahrungen zu lesen. Ich habe auch sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Das Ernstgenommenwerden, egal ob man nun dramatisiert oder nicht, ist für mich das A und O in einer therapeutischen Beziehung. Manche Fachpersonen können sich kaum vorstellen, wie sehr auch scheinbar banale Situationen grossen Stress auslösen können. Wenn dafür keine Offenheit seitens der Fachperson da ist, kann bei mir kein Vertrauen entstehen. Andererseits habe ich auch die einmal die Erfahrung gemacht, dass ich bei einer Fachpersonen mit ähnlicher Persönlichkeit und Sensibilität einen Rollenwechsel erlebte und mir dann diese Person plötzlich ihr Privates erzählt, was mir dann zuviel wird.. Mich beeindruckt der Weg, den du bereits hinter dir hast und die Selbstbestimmung zu der du bereits gefunden hast. Das Wissen, von wem man sich helfen lassen kann und auch will – das ist schon ein grosser und sehr wichtiger Mosaikstein!

    • Hallo Maya,
      auch mir hat es geholfen deine Erfahrungen zu lesen, denn auch ich habe schon ähnliche Erfahrungen gemacht. Mein derzeitiger Therapeut erzählt mir häufig Dinge von sich, die ich eigentlich garnicht wissen möchte.
      Es läuft in der Therapie etwas grundlegendes schief, aber ich kann es ihm irgendwie nicht verständlich machen.

      Da ich einmal einen Therapeuten hatte (leider in einer Klinik und daher zeitlich begrenzt), der mir deutlich half und wo ich nach der Klinik eine deutliche Verbesserung bemerkte, kann ich auch den Unterschied zwischen einer Therapie machen, die wirkt und einer, die nicht wirkt.

      Ich werde den Blog auch weiter verfolgen und ggf. etwas Hilfreiches beisteuern.

  3. Es bestätigt und entsetzt mich immer mehr, das auch andere solche Sch…erfahrungen machen mussten. Ich könnte auch einiges berichten. Und das mit dem Rollenwechsel und dem Erzählen von persönlichem von seiten des Therapeuten kenne ich auch, das habe ich bisher noch nicht verstanden, wie das funktioniert. Ne, von dramatisieren kann man wohl nicht sprechen. Und Vertrauen, ja das muß man nicht per se haben, das muß sich ein Therapeut erst mal verdienen. Dieses Fazit kam für mich erst am Ende der therapeutischen Sackgass. Aber: seid Ihr eigentlich nicht (zu recht) stinksauer?

  4. PS: Und ernstgenommen, aktzeptiert und respektiert zu werden, kann man von einem Therapeuten ja wohl erwarten, ebenso, das er einem vertraut! Von dramatisieren solltes du nicht sprechen, sondern dich auch selber ernst nehmen. Du bist nicht alles schuld!

  5. Obwohl zunehmend mehr TherapeutInnen traumatherapeutisch geschult sind, deckt das Angebot nicht den Bedarf. Betroffene machen immer noch und immer wieder die oben beschriebenen Erfahrungen.
    Informationen zu verschiedenen Aspekten von Traumatherapie gibt es auf blog_gestalttherapie_luebeck
    http://gestalttherapieluebeck.wordpress.com/
    Eine kleine Hilfe bei der Wahl einer TherapeutIn gibt der Artikel „Eine Therapeut/-in finden“ auf blog_psychotherapie_luebeck
    http://blogpsychotherapieluebeck.wordpress.com/2012/02/12/eine-geeignete-therapeut-in-finden/

  6. Danke danke danke. Dachte schon, ich wäre die einzige Person weit und breit mit solchen Erfahrungen. Ich finde Reddemanns Buch über Würde in der PT sollte zur Pflichtlektüre aller Therapieazubis werden.

  7. Ich bin erschüttert wie viele „schlechte“ Therapeuten/-innen es gibt. Umso dankbarer bin ich dafür, dass ich, nach einer 2-jährigen Wartezeit, genau die richtige Therapeutin gefunden habe. Sie ist keine Traumatherapeutin, hat aber viel Praxis- und Lebenserfahrung, ist empathisch, einfühlsam, ehrlich und kompetent. Obwohl ich schon seit Jahren bei ihr bin, weiß ich kaum etwas über ihr Privatleben und trotzdem ist sie mir sehr vertraut.
    Mein Appell: Gebt nicht auf bei der Therapeutensuche und lasst den Bauch entscheiden. Ich wünsche Euch alles Gute!

  8. Hallo Maya,
    ich weiß nicht, ob du immernoch mitliest, aber ich bin gerade erst auf deinen Blog gestoßen. Und es bewegt mich sehr. Auch wenn deine Ausgangssituation eine etwas andere ist, so sehe ich in mir doch gewisse parallelen. Ich bin jetzt 20 Jahre alt und meine Welt steht Kopf. Immer mehr Erinnerungen erscheinen wieder, die ich vorher nicht gehabt habe. Und ich dachte, dass ich geschlagen worden bin wäre das schlimmste gewesen. Ich hab jetzt meine erste Therapie hinter mir und es wird immer schlimmer. Danke, dass du das hier veröffentlicht hast. Du gibst mir Hoffnung, dass ich nicht allein bin.

  9. Hallo,

    Mit Therapeuten habe ich ähnliche Erfahrungen. Seit ich in Therapie bin (nunmehr 15 Jahre), habe ich Psychologie und Psychopathologie im Rahmen einer Ausbildung studieren können und bin nur noch enttäuschter geworden, seit ich das Tun meiner wechselnden Therapeuten fachlich beurteilen kann.
    Seit 2 Jahren bin ich bei einer Therapeutin, die mir wirklich weiterhilft und glücklicherweise weder geldgeil noch esoterisch ist, ein echter Glücksfall, obwohl wir in der Therapiestunde gelegentlich spazieren gehen oder ins Kaffee sitzen. Meine erste Therapeutin behandelte mit den Pendel ;O)

    LG Heiner

  10. Habe endlich kompetente Hilfe….Nach x Therapien…..EMDR hat einiges geholfen, ist mir aber zu anstrengend,weil ich immer wieder in die Situation en reinfuehlen muss. Daher nun begleitend Somatic Experience… Fantastisch, langsam werde ich ein neuer Mensch! Habe auch komplexe PTBS mit Panikstörung wegen grausiger Kindheit…Wie die meisten leider…Seit da. Zwanzig Jahren immer wieder in den gängigen Therapien, nix half…Immer schlimmer wurde es…Bis jetzt!

  11. Hallo Gabi,

    ich leide auch unter einer komplexen PTBS wegen schwerer Misshandlung in der Kindheit. Ich finde es sehr interessant, was du über „Somatic Experiencing“ schreibst. Ich wäre dir dankbar, wenn du mehr darüber erzählen würdest. Wie funktioniert „Somatic Experiencing“? Geht es dir weiterhin gut?

    Herzliche Grüße

    Sylvie

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